Das regelmäßiger Sport und Training die physische Leistung verbessert und viele Körperfunktionen von Durchblutung bis Verdauung positiv beeinflusst, muss ich Ihnen an dieser Stelle sicher nicht mehr besonders erklären. Heute geht es vielmehr um einen weiteren guten Grund für regelmäßigen Work-out – ehrlich der häufigste und ursprünglichste Grund, warum wir Sport treiben: Spaß! Sport und Bewegung machen einfach Spaß und gute Laune, mehr noch: wer regelmäßig trainiert, erhöht langfristig Zufriedenheit und Ausgeglichenheit im Alltag. Es lohnt sich also, einmal einen genaueren Blick auf die positiven Zusammenhänge von körperlichem Training und unserer Psyche zu werfen …

Endorphine, Dopamin und Serotonin – high on Work-out

Regelmäßiger Work-out mit passendem Intensitätsgrad verbessert nicht nur die Sauerstoffaufnahme der Muskeln, sondern besonders auch die des Gehirns. Dies sowie die Signale, die durch die körperliche Bewegung direkt ans Gehirn gesendet werden, wirken sich positiv auf die gesamte Gehirnchemie aus. Die „Gehirnchemie“ ist der Mix aus den vielen verschiedenen körpereigenen chemischen Botenstoffen (Endorphine, Dopamin, Serotonin und andere), die unser Empfinden, unsere Gefühle, unsere Reaktionen und unsere Gesamtstimmung steuern und beeinflussen. Dieser Effekt wird nicht nur kurzfristig beim Training erreicht, sondern bleibt bei regelmäßigem Work-out auch im Alltag erhalten.
Eine Erklärung für diese Verbesserung der allgemeinen Gesamtstimmung ist die gegenseitige Wechselwirkung von psychischen und körperlichen Reaktionen in unserem Körper. Durch eine Stresssituation – auch wenn es keine körperliche Belastung gibt – werden vom Gehirn Signale ausgesendet, die unter anderem den Blutdruck und Herzschlag erhöhen, zu Schweißbildung führen und eine Erhöhung des Muskeltonus hervorrufen. Kurz gesagt, unser Körper kann nicht zwischen körperlichem und psychischem Stress unterscheiden und reagiert in beiden Fällen mit den gleichen „Maßnahmen“. Ein trainierter Körper reagiert auf Stress im Alltag viel gelassener und hat sozusagen einen „Puffer“, um durch Belastungen nicht so sehr aus der Bahn geworfen zu werden.

Und wo ist der „Haken“?

Wo Spaß ist, kann leider nun mal manchmal auch Frust sein. Wichtig ist – wie in allen Lebensbereichen – sich nicht zu viel vorzunehmen. Die gegenseitig positiven Effekte von körperlicher Bewegung und allgemeiner Zufriedenheit funktionieren nicht, wenn man sein Work-out wegen Schmerzen oder Überlastung abbrechen muss. Das Ziel ist, Bewegung im Gehirn mit einer angenehmen Erfahrung zu verbinden. Dies funktioniert am besten im sogenannten aeroben Trainingsbereich. Die Muskeln unseres Körpers gewinnen ihre Energie nämlich vereinfacht gesagt mit zwei verschiedenen Methoden: im aeroben (Lat. Luft = aer) Bereich wird Energie durch den Verbrauch von Sauerstoff gewonnen, im anaeroben Bereich wird dies sozusagen übersprungen und Laktat produziert (dies ist auch die Ursache für „Muskelkater“). Bei Ausdauersportarten wie Jogging, Schwimmen usw. arbeiten die Muskeln überwiegend im aeroben Bereich – für Kraftsportarten wie Gewichtheben, Sprints usw. wird die anaerobe Energiegewinnung benötigt.
Es leuchtet ein, das Training im aeroben Bereich den besten Effekt für Ziele wie Ausgeglichenheit und Stressresistenz bringt. Das heißt aber nicht, das dies nicht nützlich für Spitzenbelastungen im Alltag und auch im Sport ist. Durch regelmäßigen Ausdauer-Work-out verschiebt sich die Schwelle des Übergangs von aerober zu anaerober Energiegewinnung – und was heute noch eine „Spitzenbelastung“ ist, ist bald schon eine leichte Übung.
Eine Frage aus Neugier: Was glauben Sie, gehört Yoga zu den „aeroben“ oder „anaeroben“ Sportarten?

Und anders herum: „richtiges“ Abschalten führt zu „richtigem“ Training?

Um das Thema „Sport und Psyche“ abzurunden, betrachten wir noch einmal diese Wechselwirkung zwischen körperlicher Bewegung und mentaler Zufriedenheit. Diese „Straße“ führt natürlich in beide Richtungen, so hilft uns mehr Ausgeglichenheit und damit besserer mentaler Fokus auch beim Work-out. Es wird immer wieder richtigerweise betont, wie wichtig eine korrekte und sichere Ausführung der Bewegungen bei allen Arten von Sport und Fitnesstraining ist. Lieber langsam, genau und mit weniger Belastung als zu schnell, zu hoch hinaus. Seelische Ausgeglichenheit und eine daraus resultierende gute Konzentrationsfähigkeit helfen bei einem effektiven und sicheren Work-out. Das Verletzungsrisiko nimmt ab, erreichte Ziele werden zahlreicher. Diese Erfolgserlebnisse festigen wiederum eine ausgeglichene Befindlichkeit und Stressresistenz – so kommt ein Kreislauf in Gang, der sich immer wieder positiv verstärkt.
Und, um noch die Frage vom letzten Absatz zu beantworten: Yoga hat zweifellos sehr positive Effekte – und auf den ersten Blick passt diese Art von Work-out besser zum Thema „Sport und Psyche“ als beispielsweise Schwimmen. Doch tatsächlich ruft Yoga von den Muskeln viel Energie ab und aktiviert damit auch die anaerobe Energiegewinnung, ist also für den Aufbau einer körperlich bedingten Stressresistenz mit Vorbehalt zu sehen. Im richtigen Kontext und mit der richtigen Intensität kann aber natürlich auch Yoga für diese Art von Work-out mit größerem aeroben Anteil eingesetzt werden. Oftmals ist es nicht die Art des Trainings entscheidend, sondern wie und mit welcher Belastung man daran geht. Es lohnt sich also im Zweifel doch noch mehr Informationen zu sammeln, oder sich gleich an einen Experten mit Erfahrung zu wenden. So steht dem zufriedenen Geist im fitten Körper nichts mehr im Wege, ich wünsche Ihnen viel Erfolg und vor allem Spaß beim Work-out!

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